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  • Willm Wöllgens

    Willm Wöllgens

    SV-Referent

    Tel.: 0178 - 2639345

Bericht von der SV-Lehrer Ausbildung Stufe 3 GOLD 16.-19.11.2017 in Hennef

SV-Lehrer Ausbildung des DKV

Stufe 3 GOLD vom 16. - 19.11.2017 in Hennef

Menschen verwenden Wörter wie „Gold“ oder „golden“ immer dann, wenn sie etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches  beschreiben wollen: die goldene Mitte, die goldene Hochzeit, der goldene Ring, sie … ewig zu binden.  Frodo und Gollum wissen, wovon ich rede.

Und nun im November 2017 stand „SV-Lehrer Stufe 3  GOLD“ an  – meine Erwartungen waren also entsprechend, und sie waren auch freudiger Natur, da sie schon mit Namen und Gesichtern anderer Teilnehmer und vor allem des kompletten Trainerteams (Ulrike, Wolfgang, Jürgen, Sven, Willm) durch „Bronze und Silber“ verbunden waren.

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Was konnte schon kommen? Anstatt 8er Drills nun 10er Drills und der Parcours erweitert um 4 Stationen, der Flur etwas dunkler und die Musik noch etwas lauter. So dachten wir  ….  Die Drills kamen natürlich am ersten Nachmittag neben Technikwiederholungen, alle gegen einen, zwei gegen sechs, jeder gegen jeden, mit Messer und Stock – aber alles eher zum Warmwerden und zur Technikkonsolidierung. Jürgen Kestner: „Darauf bauen wir auf und heben euch auf dieser sicheren Grundlage auf die nächste Stufe.“ Diese nächste Stufe sollte sich dann in der Abschlussbesprechung am Donnerstagabend unter dem sperrigen Titel  „UE3 Praktische Szenarienvorbereitung“ mit Inhalt füllen. Vier Gruppen waren vom Trainerteam gebildet worden, die über die nächsten Tage an vier verschiedenen Lokationen von den Trainern drehbuchartig vorgegebene Szenarien bzw. „plots“  spielen sollten.  Szenen „In der Kneipe“, „Am Auto“, „Im Wald“, ergänzt durch eine Einheit „Messerangriffe“: Angriffsszenarien mit farbmarkierten Messern in 1-zu-1 Situationen aber auch 7 gegen 1. Ein Riesenspaß aber auch sehr ernüchternd, was die Abwehrmöglichkeiten von Messern betrifft.   Mein Rat: bei der ersten Möglichkeit Laufen, Laufen, Laufen und anschließendes Löschen aller Youtube Videos über „defense against  knife attacks“.

Freitag und Samstag – 16 Stunden Szenarientraining! Teils als Angreifer oder Angegriffener, als Unbeteiligter, einzeln oder als Gruppe durchliefen wir  mit erstaunlicher Kreativität die unterschiedlichsten Szenarien, die in der Nachbetrachtung aber auch gemeinsame Merkmale hatten:   
1. solche Situationen sind komplex, entwickeln sich in rasendem Tempo und verändern sich ständig;  
2. alle Szenen hatten von uns nicht genutzte Exitpunkte, an denen man unbeschadet den Konflikt hätte verlassen können;                                                                                                                       
3. jeder hat nun ein Verständnis von dem , was unsere Trainer im Vorfeld den „Tunnelblick“ nannten. Dieser Operationsmodus des Gehirns befähigt uns,  sehr schnell und fokussiert zu reagieren, deshalb werden Ereignisse total ausgeblendet mit der Konsequenz: „Der hat ein Messer gehabt? Hab ich nicht gesehen und erst beim fünften Stich gespürt.“ (Kunststoffmesser!).  

16 Stunden -  Wo war die Zeit geblieben? Für mich persönlich eine ganz intensive Zeit, mental noch mehr fordernd als körperlich.  Neben den eigenen Befindlichkeiten muss die Gruppe erwähnt werden. Von den Trainern nach klugen Kriterien zusammengestellt, wuchsen über 2 Tage Szenarientraining 32 Individuen zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich respektierte, die sich mochte, wo  jeder auf den anderen achtete, die einfach Spaß miteinander hatte -  für uns alle eine positive Erfahrung, die nicht zu den unwichtigen Ergebnissen des ganzen Lehrgangs gehörte.  Und dann am Abend die tolle  Gesprächsrunde mit Willm: die einzelnen Gruppenmitglieder gaben sich gegenseitig eine persönliche Rückmeldung, und zwar nur eine positive - da wurde es in der Halle mindestens 5 Grad wärmer. Dachten wir nun, die positive Stimmung sei nicht mehr zu steigern, irrten wir: Annett Wöllgens, als erfahrene Fitnesstrainerin das  Trainerteam komplementierend, zeigte uns mit und ohne Faszienrollen wirkungsvolle Spannungs- und Entspannungsübungen.

Samstagabend, jenseits von 20 Uhr, nach 12 Stunden Training schließlich das, was keiner missen mochte - egal wie verschwitzt und verdreckt, durstig und hungrig: Individualcoaching, die Einzelgespräche mit den Trainern. Nur für mich sprechend: in allen Rückmeldungen fand ich mich wieder. Stärken wurden formuliert und hervorgehoben; über Schwächen wurde nicht gesprochen, dafür aber über Verbesserungspotential, über Lösungen und Entwicklungen. Wow! So kann Lehren und Beurteilen auch sein. 

Sonntagmorgen, 8 Uhr, Videoanalyse – und Willm hatte trotz früher Stunde unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Sinnhaftigkeit dieser Filmsequenzen  – leider zu wenig im Breitensport eingesetzt – war selbsterklärend. „Mmh – hier hättest du doch besser …“, „Warum hab ich denn nicht….?“ „Wieso steh ich denn da in der engen Ecke?“, „Nein, das bin ich nicht.“…..

Ulrike und Sven schließlich führten uns in den spannenden Themenbereich der stärksten menschlichen Waffe: des Gehirns.  „Ich kann den anderen nicht ändern  - ich kann nur mich selbst ändern, mich entwickeln und damit die Situation beeinflussen.“ Beide agierten – wie von Ihnen nicht anders erwartet – voller Begeisterung mit anschaulichen Beispielen und Übungen, selbsterklärend durch die direkte Anwendung. Ab jetzt bringen bei mir die Wörter „Zitrone“ und „Ulrike“ Synapsen in eng benachbarten Hirnarealen zum Feuern.                                                                                                  

Das Thema führt mich zum Fazit nach 4 Tagen „SV 3 GOLD“: das Gehirn ist die einzige „Maschine“, die besser wird, je mehr man sie benutzt.   Das Gehirn benutzen heißt Lernen, Gelerntes anwenden, Gelerntes in einen neuen Kontext bringen, damit wieder Neues schaffen und das Veränderte wieder in neuen Situationen anwenden. Beschreibt das nicht auch Karate?  Karate: permanentes Lernen, Anwenden, sich neuen Situationen anpassen, verändern und sich weiterentwickeln. Ich nehme Elemente aus dem Kontext einer Kata, setze sie in den Kontext einer Abwehr gegen einen Messerangriff und habe Selbstverteidigung. Karate ist Selbstverteidigung – Selbstverteidigung ist Karate. Ich denke, das haben wir nach 4 Tagen begriffen und nehmen es mit nach Hause und in unsere Dojos – um selbst weiter zu lernen und um es aber auch an andere weiter zu geben. Ganz wichtig für mich Wolfgangs Credo, nie stehen zu bleiben, sich immer mit Begeisterung zu verändern und weiter zu entwickeln.

Begeistert hat uns das Trainerteam mit Ulrike Maaß, Jürgen Kestner, Wolfgang Henkel, Sven Burkard, Willm und Annett Wöllgens, das „Produktqualität“ in Karate-/SV-Technik, Psychologie und Motivation, Durchführung und Organisation auf allerhöchstem Niveau ablieferte, kombiniert mit Empathie und individueller Persönlichkeit. Ein glücklicher Verband (DKV), der solche Repräsentanten hat. SV-Lehrer  Ausbildung Stufe 3 -  „GOLD“ eben!

Uli Brixius, Neu-Anspach

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