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23. Mai 2026
Erster EM-Finaltag in Frankfurt: Johanna Kneer kampflos zu Edelmetall. Hannah Riedel verpasst die Bronzemedaille nur hauchdünn. Janne Haubold wird Fünfter.

17.00 Uhr: Nach getaner und vor allem erfolgreicher Arbeit, einem Sprung in die Arme ihres Bruders, der zugleich Bundestrainer und Coach ist, hatte sich Mia Bitsch beim Frankfurter Publikum für den fantastischen Support bedankt, der ihr während des Bronze-Duells gegen Anzhelika Terliuga zuteil geworden war.
In den drei Minuten zuvor hatte Bitsch, die im vergangenen Jahr in Jerewan Europameisterin in der Gewichtsklasse -55 Kilogramm geworden war, eine formidable Leistung abgeliefert.

Nach dem 2:2 (nach 2:0-Führung) hatte die Thüringerin mit zwei Yuko-Wertungen auf 4:2 erhöht. Zwar war es der Weltranglisten-Zweiten gelungen, noch einmal auf 3:4 zu verkürzen.
Doch mit einer Ippon-Wertung 19 Sekunden vor dem Ende hatte Bitsch nicht nur die Zuschauerinnen und Zuschauer in Ekstase versetzt, sondern zugleich ein Statement abgegeben, dass die Bronzemedaille an diesem Tag an sie gehen würde.
"Ich bin dankbar, dass mich alle unterstützt haben. Den letzten Kampf in dieser Gewichtsklasse mit einer Medaille abzuschließen, ist ein Traum."




Seinen Arbeits-Platz getauscht hatte Svjatoslav Prokop. Nachdem der mehrmalige Deutsche Meister in der Gewichtsklasse +84 Kilogramm an den drei Vorrunden-Tagen als einer der Leader im Volunteers-Team fungiert hatte, war er am Samstag in den Räumlichkeiten des Hessischen Rundfunks (HR) als Co-Kommentator und Experte an der Seite von Robin Niehaus tätig gewesen.
Am Sonntag wird er dann erneut im Einsatz sein und ab 14.15 Uhr unter anderem das Kumite-Finale der Damen mit deutscher Beteiligung kommentieren. Zu sehen ist der Live-Stream hier und später on demand in der ARD-Mediathek.

11.30 Uhr: Janne Haubold hatte draußen auf einer Bank Platz genommen und war ob des Geschehens, das kurz zuvor auf der Matte passiert war, noch immer in Gedanken versunken.
Im Duell um die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse -84 Kilogramm hatte sich der Deutsche Meister dem Weltranglisten-Neunten, Ivan Kvesic aus Kroatien, mit 3:8 geschlagen geben müssen - und dabei erst in der Schluss-Phase des Aufeinandertreffens dem Publikum den "wahren Haubold" präsentiert.

10.55 Uhr: Die Enttäuschung über das Verpassen ihrer zweiten EM-Medaille in der Leistungsklasse hatte Hannah Riedel auch beim anschließenden Interview mit dem MDR und dem EB-Team des DKV nicht verbergen können. Sie sei so dicht dran gewesen, hatte ihr Fazit gelautet. "Aber der Blick geht nach vorne. Schließlich steht morgen der Team-Wettbewerb an."
Gegen Elina Sieliemienieva war Riedel zwei Minuten lang die bestimmende Athletin gewesen und hatte sich, weil sie aufmerksam ihren Job verrichtet hatte, eine 2:0-Führung erkämpft.
Doch in den letzten 60 Sekunden hatte die Weltranglisten-Achte aus der Ukraine mehr und mehr die Kontrolle übernommen und über 2:1 und 3:2 zum 3:3 ausgeglichen.
Der entscheidende Punkt zum 4:3-Endstand war Sieliemienieva schließlich elf Sekunden vor dem Ende gelungen.

Dennoch: Mit 21 Jahren bei zwei Europameisterschaften einen Einzel-Titel und einen fünften Platz in der Gewichtsklasse -68 Kilogramm errungen zu haben, ist aller Ehren wert.

9.15 Uhr: Für die erste Bronzemedaille des Tages hatte Johanna Kneer nicht einen Tropfen Schweiß vergossen - weil ihr "kleines Finale" in der Gewichtsklasse +68 Kilogramm nicht stattgefunden hatte. Grund dafür war eine schwere Verletzung von Kyriaki Kydonaki gewesen.
Die Griechin hatte sich am Mittwoch im Halbfinale gegen Clio Ferracuti (Italien) das Knie verdreht und war am Tag darauf in den Katakomben der Frankfurter Eissporthalle auf Krücken unterwegs gewesen. Gleichwohl - und das schreiben die Regularien vor - hatte Kneer die Tatami betreten müssen, um den Sieg zugesprochen zu bekommen.
"Ich habe trotzdem Gänsehaut gehabt", hatte Kneer hernach bekannt. Zudem freue sie sich wahnsinnig auf das morgige Finale mit dem Team".
Dirk Kaiser
