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23. Mai 2026
Para-Karate: Mike Richter holt mit 0,1 Punkten Vorsprung Gold. EM-Debütantin Lara Hemmann gewinnt überraschend die Bronzemedaille. Auch Albert Singer als Dritter auf dem Podium.
24.05.2026
Für Anna Thorwirth hätte ihre erste-EM-Teilnahme nicht besser enden können. Als vorletzte Athletin, die am Abschluss-Tag auf die Tatami gebeten worden war, hatte die Berliner Rollstuhl-Athletin eine formidable "Unsu" auf die Matte "gezaubert" und dafür 40,00 Punkte erhalten.
Da ihre Kontrahentin, die erfahrene Helen Marsh aus England, für die gleiche Kata lediglich 38,60 Punkte zugesprochen bekommen hatte, war die 21-Jährige zum ersten Mal Europameisterin in der K30-Klassifizierung geworden.
Im Anschluss an das nicht für möglich Gehaltene hatten sich Thorwirth und Bundestrainer Heiko Kuppi vom deutschen Anhang feiern lassen.
Mit zweimal Gold und zweimal Bronze hatte das deutsche Para-Karate-Team hinter Italien (2-1-2) den zweiten Platz im Medaillen-Ranking belegt.

23.05.2026
Ein Raunen war durch das Publikum gegangen, als die ersten Wertungen auf der digitalen Anzeige aufgeleuchtet waren und Mike Richter mehr Punkte als sein Kontrahent Carlos Huertas Ruiz erhalten hatte. Doch je mehr Wertungen angezeigt worden waren, umso nervöser waren die Zuschauerinnen und Zuschauer, die es mit dem Berliner gehalten hatten, geworden - weil der amtierende Europameister aus Spanien das Punkte-Delta sukzessive verkürzt hatte.
Als der finale Score zu sehen gewesen war, hätte sich Krimi-Altmeister Alfred Hitchcock sicherlich gefreut: Mit gerade einmal 0,1 Punkten Vorsprung (38,3 : 38,2) war Mike Richter vom Hellersdorfer AC zum ersten Mal in seiner noch jungen Laufbahn in der K21-Klassifizierung ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / IQ weniger als 75") Europameister geworden.
Nachdem er Bundestrainer Heiko Kuppi und DKV-Vizepräsidentin Kathrin Brachwitz innig umarmt hatte, war Richter unter sehr viel Applaus in den Katakomben verschwunden. Im anschließenden Interview hatte er bekannt, dass ihm während der deutschen National-Hymne und als das Publikum diese mit intoniert hatte, die Tränen gekommen seien.
Dirk Kaiser

Was war das für eine Geschichte gewesen! Mit gerade einmal 21 Jahren und ihrer ersten EM-Teilnahme - noch dazu vor heimischer Kulisse - bestreitet Anna Thorwirth am kommenden Sonntag das Finale in der K30-Klassifizierung ("Rollstuhl-Athletin").
Am Ende hatte die Berlinerin mit 40,2 Punkten nicht nur die beste Wertung aller Teilnehmerinnen erzielt. Vielmehr hatte sie gerade einmal 0,1 Punkte Vorsprung vor der Zweitplatzierten in ihrem Pool, Elena Umorina (Neutrale Athletin), gehabt.
Sie sei vor dem Wettkampf "sehr nervös" gewesen, hatte Thorwirth hernach zu Protokoll gegeben - wobei die Nervosität am Morgen noch viel größer gewesen sei. Auf die Frage, was sie jetzt erstmal machen werde, hatte sie nur ein Wort gesagt: "durchatmen".
"Mit dieser Ausbeute können absolut zufrieden sein. Zwei Finals und zwei Bronzemedaillen sind mehr, als wir erwarten durften. Vor allem die Leistung von Lara hat mich total gefreut. Sie hat so performt wie noch nie - und über Anna müssen wir gar nicht reden."
Thomas Fischer (Bundes-Assistenz-Trainer und Betreuer von Marvin Nöltge)

Für die zweite Final-Teilnahme an diesem Tag hatte der Deutsche Meister Mike Richter in der "K21" ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / IQ weniger als 75") gesorgt. Nachdem er in der Vorrunde seinen Pool als Bester dominiert hatte, war er auch in der zweiten Runde nicht zu bezwingen gewesen und hatte mit 38,0 Punkten die höchste Punktzahl erhalten.
Am Samstag trifft der Berliner auf den amtierenden Europameister Carlos Ruiz Huertas, der seine beiden Runden ebenfalls recht deutlich gewonnen für seine zweite Kata 38,5 Punkte erhalten hatte.

Mit Albert Singer wird am Samstag ein weiterer DKV-Athlet an der Siegerehrung in dieser Klassifizierung teilnehmen. Nachdem Singer in der zweiten Runde den dritten Platz belegt hatte, war es im "kleinen Finale" zum Aufeinandertreffen mit dem Kroaten Roko Boduljak gekommen.
Und Singer, der über reichlich internationale Erfahrung verfügt, hatte seine an diesem Tag beste Kata gezeigt und den Konkurrenten deutlich mit 38,4 : 35,6 Punkten auf Distanz gehalten.

Einen Tag voller Zufriedenheit hatte Lara Hemmann bei ihrer ersten EM-Teilnahme erlebt: Nachdem sie in ihrer Vorrunden-Gruppe den dritten Platz belegt hatte, war es für die Berlinerin in der zweiten Runde der K22-Klassifizierung ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / IQ weniger als 75") ebenfalls erfolgreich weitergegangen.
Mit 35,4 Punkten - und damit 0,1 Punkte mehr als die viertplatzierte Spanierin - hatte es Hemmann ins Bronze-Duell geschafft - und dieses dann tatsächlich ebenfalls zu ihren Gunsten entschieden.
Diesmal waren es 0,2 Punkte gewesen, die sie besser gewesen war als die zweite Spanierin. Als das Ergebnis amtlich gemacht worden war, waren bei der EM-Debütantin die Freuden-Tränen geflossen.
"Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet", hatte das Fazit von DKV-Vizepräsidentin Kathrin Brachwitz gelautet.





In der Klassifizierung "K22" ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / Down-Syndrom") waren EM-Novize Melvin Voss und EM-Routinier Marvin Nöltge jeweils auf Platz vier in ihren Vorrunden gelistet worden - wobei Voss das Pech gehabt hatte, als Erster auf die Tatami zu müssen.
Gleichwohl waren beide in die zweite Runde eingezogen und zählten damit zu den "besten Acht" in Europa. Zu einer besseren Platzierung hatte es jedoch nicht gereicht, da in der zweiten Runde ihren jeweils drei Mitbewerber um eine Medaille besser bewertet worden waren.


Für Swen Baum, der in der K30-Klassifizierung ("Rollstuhl-Athleten") angetreten war, sollte es bei einer Kata geblieben sein. Mit 37,3 Punkten hatte er in seinem Vorrunden-Pool den sechsten Platz belegt.
Dennoch war er mit seiner Leistung nicht unzufrieden gewesen. Es sei "gut gelaufen, hatte er sich geäußert. Allerdings habe er nicht, wie es ansonsten bei ihm der Fall ist, den Tunnel durchfahren können. "Mist" sei es zudem gewesen, dass er als Erster an der Reihe gewesen sei.
Dirk Kaiser
