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27. November 2025
Einzel-WM in Kairo: "Endstation Achtelfinale" für Muhammed Özdemir und Shara Hubrich. Mia Bitsch und Jasmin Bleul verpassen die K.o.-Runde. Brigitte Kraußer hat die Bilder des Tages eingefangen.

Für die vier deutschen Athletinnen und Athleten, die am ersten Tag der Einzel-WM in Kairo an den Start gegangen waren, hatte es kein Happy End gegeben. Zwar hatten es Shara Hubrich (-50 Kilogramm) und Muhammed Özdemir (-67 Kilogramm) bis ins Achtelfinale geschafft.
Doch weiter war es nicht gegangen, weil Özdemir gegen den Griechen Georgios Baliotis mit 0:2 den Kürzeren gezogen und Hubrich mit 1:7 gegen Yorgelis Salazar Camacho aus Venezuela verloren hatte.
Mia Bitsch (-55 Kilogramm) und Jasmin Bleul (Kata) war nicht über die Vorrunde hinausgekommen.

Dass Salazar Camacho, die zuletzt 2022, im Rahmen der "World Games" im US-amerikainischen Birmingham (Alabama), Hubrich mit 3:0 besiegt hatte, nicht einfach zu bezwingen sein würde, war allen Beteiligten klar. Insofern hatte es gegolten, das richtige Maß zu finden.
Trotz der frühen 2:0-Führung der Venezuelarin sei es in der Folgezeit "ein offener Schlagabtausch" gewesen, so DKV-Leistungssport-Referent Thomas Nitschmann.
Nachdem Salazar Camacho auf 5:0 erhöht hatte, war Hubrich "All in" gegangen und hatte das 1:5 erzielt. Ihre Gegnerin jedoch hatte sich davon unbeeindruckt gezeigt und mit zwei weiteren Punkten für die Entscheidung gesorgt.
Auch Muhammed Özdemir hatte gegen Georgios Baliotis, gegen den er bei der Europameisterschaft 2024 in Zadar in der zweiten Runde mit 3:4 verloren hatte, konservativ agiert - und war bei seinen Aktionen bisweilen zu weit weg von seinem Gegner gewesen.
Als dieser bei einer Kampfzeit von 1:15 Minuten den ersten Punkt markiert hatte, hatte Özdemir offensiver werden müssen. Allerdings hatte er aufpassen müssen, nicht disqualifiziert zu werden (vier Verwarnungen bei noch 42 Sekunden auf der digitalen Anzeige-Tafel).
Indes: Da Özdemirs Aktionen weiterhin nicht richtig getimed gewesen waren und der Grieche kurz vor Schluss auf 2:0 erhöht hatte, war der EM-Dritte von Jerewan 2025 als Verlierer von der Tatami gegangen.
Am Ende war es eine knifflige Tabellen-Konstellation gewesen - weil drei Athleten jeweils zwei Erfolge gefeiert hatten. Folglich hatte der Dreier-Vergleich zwischen Muhammed Özdemir, Didar Amirali und Omer Abdurrahim Ozer bemüht werden. Und in diesem hatte Özdemir die "Nase vorn" gehabt.
Den Grundstein zum Weiterkommen hatte Özdemir in seinem Auftakt-Duell gegen Didar Amirali gelegt. Gegen den Kasachen, der bereits beim diesjährigen Premier-League-Event in Rabat sein Gegner gewesen war – der Vorrunden-Kampf endete seinerzeit 2:2 –, hatte sich der Deutsche Meister mit 2:1 durchgesetzt.
Nachdem Özdemir mit 1:0 in Führung gegangen war, hatte ihn sein Coach Köksal Cakir ermahnt, "hellwach zu bleiben und geduldig zu sein". Knapp eine Minute vor Schluss hatte der 21-Jährige jedoch die Quittung für seine zu passive Herangehensweise erhalten ("Du musst aktiver werden" - Cakir) und den Ausgleich kassiert.
Nach diesem "Wake-up-Call" war Özdemir tatsächlich aktiver geworden und hatte sich dafür mit dem zweiten Punkt belohnt. Das 2:1 war allerdings ein fragiles Resultat gewesen, weil Amirali in den verbleibenden 35 Sekunden alles auf eine Karte gesetzt hatte. Doch gegen die leidenschaftliche "Vorwärts-Verteidigung" seines Kontrahenten hatte es kein Durchkommen gegeben.
Auch in seinem zweiten Kampf hatte Özdemir "auf der Hut" sein müssen. Denn der weitgehend unbekannte Südafrikaner Jody Watson, der zuvor gegen den Weltranglisten-Dritten Omer Abdurrahim Ozer nur 3:4 verloren hatte, hatte sich trotz eines 1:2-Rückstands nicht aus der Ruhe bringen lassen und 49 Sekunden vor Schluss zum 2:2 ausgeglichen.
Allerdings war es dem Deutschen keine zehn Sekunden später erneut gelungen, in Führung zu gehen (3:2). Mit der letzten Aktion in letzter Sekunde hatte Özdemir das Ergebnis auf 5:2 gestellt.
Da Amirali zuvor Omer Abdurrahim Ozer bezwungen hatte, hatte sich Özdemir eine knappe Niederlage gegen den türkischen Athleten erlauben können - was am Ende eines intensiven Aufeinandertreffens, das 5:5 ausgegangen war, auch der Fall gewesen war. Von Beginn hatte Özdemir zurückgelegen (0:1, 1:2, 1:3, 2:3, 2:4, 4:4, 4:5), doch jedes Mal den Anschluss hergestellt.
Als er schließlich 13 Sekunden vor dem Ende das Resultat erneut egalisiert hatte (5:5), hatte Ozer keine weitere Antwort parat gehabt - und einen Sieg errungen, der nicht zum Einzug ins Achtelfinale gereicht hatte.

Es waren lange und bange Minuten gewesen, die Shara Hubrich teilnahmslos hatte verstreichen lassen müssen, ehe festgestanden hatte, dass sie als Zweitplatzierte ihres Vorrunden-Pools im Achtelfinale stehen würde. Doch nach dem Sieg von Yuliia Palashevska gegen Cylia Ouikene im finalen Duell hatte es Hubrich schwarz auf weiß gehabt.
Obwohl die 28-jährige Deutsche gegen Palashevska gut in den Wettkampf gekommen und 56 Sekunden vor dem Ende mit 1:0 in Führung gegangen war, hatte es nicht zum Sieg gereicht – weil die Ukrainerin, die im Oktober bei den "Polish Open" in Bielsko-Biala das Finale gegen die Vize-Weltmeisterin von 2021 mit 1:2 verloren hatte, sieben Sekunden vor Schluss mit einem Waza-Ari den Kampf zu ihren Gunsten gedreht hatte.
Somit hatte Hubrich unbedingt gegen die Nummer zwei der Welt, Cylia Ouikene, gewinnen müssen, um sich noch die Chance auf die Teilnahme an der K.o.-Runde zu erhalten. Und die DKV-Athletin hatte dem Druck standgehalten und sich mit 1:0 durchgesetzt. Bereits 2021, beim Gewinn der WM-Silbermedaille in Dubai, hatte Hubrich die Algerierin auf Distanz gehalten – mit 4:0 im Viertelfinale.

Dass die Konstellation Maria Stoli, Kairo und Mia Bitsch irgendwie nicht passt, hatte die 21-jährige Deutsche zu ihrem Leidwesen bereits im ersten Kampf erfahren müssen. Nachdem Bitsch im vergangenen Jahr an gleicher Stätte, allerdings im Rahmen der Premier League, gegen die Griechin mit 1:3 das Nachsehen gehabt hatte, hatte es erneut das gleiche Ergebnis gegeben - und, wie sich hinterher herausstellen sollte, für das frühe Ausscheiden der "World-Games"-Siegerin in der Gruppen-Phase gesorgt.
Die Kurz-Chronologie: Nachdem sich Stoli und Bitsch rund eineinhalb Minuten belauert und jeweils zwei Verwarnungen kassiert hatten, war es der griechische Coach gewesen, der 64 Sekunden vor dem Ende mittels Video Review seinem Schützling die ersten beiden Punkte beschert hatte.
Zwar war es der Thüringerin kurze Zeit später gelungen, auf 1:2 zu verkürzen. Doch Stoli war wachsam geblieben und hatte erneut gepunktet – und somit das 2024er-Resultat wiederholt.
Damit war klar gewesen, dass Mia Bitsch gegen die Usbekin Sevinch Rakhimova, die sich zuvor mit 6:2 gegen Stoli behauptet hatte, gewinnen musste, um im Wettbewerb zu bleiben. Denn die überforderte Sifa Alice Ishimwe aus Burundi, die gegen die Deutsche Meisterin 0:10 verloren hatte (und das 74 Sekunden vor dem Ende), war für keine der anderen drei Gegnerinnen ein Faktor gewesen.
Bis zur Hälfte des Kampfes gegen Rakhimova, die Bitsch in diesem Jahr bei der Premier League in Kairo mit 6:0 besiegt hatte, hatte es so ausgesehen, als könne sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen. Doch nach dem 0:1 (90 Sekunden vor dem Ende) und dem 0:2 (67 Sekunden vor Schluss), hatte es den Anschein, als könne sie nicht mehr in den "Lead" kommen - was schließlich auch der Fall gewesen war.
Am Ende hatte mit 1:4 nicht nur die zweite Niederlage auf dem Konto gestanden, sondern auch die Gewissheit, dass sich große Erfolge, wie der Triumph bei den "World Games", nicht so einfach reproduzieren lassen.
KATA
Jasmin Bleul / WKF-Ranking: 28
38,10 : 39,70 Punkte (Sansai) gegen Gabrielle Henrique (Brasilien) / WKF-Ranking: 100
38,30 : 38,90 Punkte (Gojushiho Sho) gegen Sakura Kokumai (USA) / WKF-Ranking: 6
39,00 : 38,20 Punkte (Gojushiho Dai) gegen Dilara Bozan (Türkei) / WKF-Ranking: 10
KUMITE
Muhammed Özdemir (-67 Kilogramm) / WKF-Ranking: 16
2:1 gegen Didar Amirali (Kasachstan) / WKF-Ranking: 34
5:2 gegen Jody Williams (Südafrika) / WKF-Ranking: 80
5:5 Omer Abdurrahim Ozer (Türkei) / WKF-Ranking: 3
Achtelfinale: 0:2 gegen Georgios Baliotis (Griechenland) / WKF-Ranking: 9
KUMITE
Shara Hubrich (-50 Kilogramm) / WKF-Ranking: 18
1:2 gegen Yuliia Palashevska (Ukraine) / WKF-Ranking: 16
1:0 gegen Cylia Ouikene (Algerien) / WKF-Ranking: 2
Achtelfinale: 1:7 gegen Yorgelis Salazar Camacho (Venezuela) / WKF-Ranking: 6
Mia Bitsch (-55 Kilogramm) / WKF-Ranking: 4
1:3 gegen Maria Stoli (Griechenland) / WKF-Ranking: 13
10:0 gegen Sifa Alice Ishimwe (Burundi) / WKF-Ranking: 118
1:4 gegen Sevinch Rakhimova (Usbekistan) / WKF-Ranking: 37

Der Wunsch von Efthimios Karamitsos war nicht in Erfüllung gegangen: Statt "Glück zu haben bei der Auslosung", wie es der Kata-Bundestrainer vor den Einzel-Weltmeisterschaften gehofft hatte, hatte Jasmin Bleul in Kairo eine Vorrunden-Gruppe erwischt, die es ihr "vom Papier hier" verunmöglichte, ins Achtelfinale einzuziehen.
Indes: Bereits das Auftakt-Duell gegen die "unter dem Radar fliegende" Gabrielle Henrique - die Nummer 100 der Weltrangliste aus Brasilien hatte sich die Teilnahme durch ihre starken Leistungen beim WM-Qualifikations-Turnier in Paris gesichert -, hatte nicht das Ergebnis gebracht, das sich Bleul vorgestellt haben dürfte: Statt eines "Mutmachers" für die vermeintlich kniffligen Aufgaben, hatte es für die 32-Jährige eine Niederlage gegeben.
Nach der zweiten Niederlage, diesmal gegen Sakura Kokumai (USA), die um 0,6 Punkte besser gewesen war, war das Erreichen der K.o.-Runde endgültig passé gewesen. Denn: Gabrielle Henrique, die später den Vorrunden-Pool als Erste abschließen sollte, hatte auch Dilara Bozan (Türkei), die Nummer zehn in der Weltrangliste, geschlagen - und sich somit, genau wie Kokumai, vorzeitig für die K.o.-Runde qualifiziert.
Im abschließenden, fürs Weiterkommen gleichwohl bedeutungslosen Duell gegen Dilara Bozan, gegen die sie in Zadar im Viertelfinale der 2024er-EM inoch verloren hatte (40,70 : 41,50 Punkte), hatte Jasmin Bleul unter Beweis gestellt, zu welchen Performances sie imstande ist.
Mit einer 1:2-Bilanz und Vorrunden-Platz drei endete die WM für die gebürtige Aschaffenburgerin somit früher, als sie sich erhofft haben dürfte.
Maßlos enttäuscht hatte sich hernach der Bundestrainer gezeigt - weil er die Wertungen der Judges für Sakura Kokumai nicht hatte nachvollziehen können.

"In der Kata war überhaupt kein Tempo gewesen - und sie schien froh gewesen zu sein, als sie zum Ende gekommen war", echauffierte sich Karamitsos. Und weiter: "Sie ist nicht mehr auf dem Top-Niveau, das sie einmal hatte - und wird dennoch mit besseren Noten bedacht. Ich bin sprachlos."
Dirk Kaiser