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Die gefährliche "Verführung" der zahlreichen "Zeit-Konsumenten"

Sportpsychologe Dr. Sebastian Altfeld über die Besonderheiten dieser Olympischen Spiele, "Wenn-dann-Pläne" und Gedanken über die jeweilige Zielsetzung.

Die gefährliche "Verführung" der zahlreichen "Zeit-Konsumenten"

Seine Expertise ist nicht nur bei den Karatekas gefragt: Dr. Sebastian Altfeld

"Toughness is in your soul an thoughts, not in muscles!"

Seine Vita ist beeindruckend, sein Aufgabenfeld nicht minder. Wer Dr. Sebastian Altfeld in Anspruch nimmt, bekommt es mit geballter Kompetenz im Bereich der Sportpsychologie zu tun - weil der gebürtige Hagener sein Fach-Gebiet mit seinen Erfahrungen als ehemaliger Leistungssportler, Trainer im Leistungs-Bereich und als Schiedsrichter im Basketball "unterfüttern" kann.

Im folgenden Interview spricht der 35-Jährige, dessen Kompetenz auf freiwilliger Basis und je nach Bedarf von den Kader-Athleten und -Athletinnen des Deutschen Karate Verbandes (DKV) in Anspruch genommen wird, über die Einmaligkeit dieser Olympischen Spiele, die "Zeiträuber" und "Wenn-dann-Pläne".

Die Teilnahme an den Olympische Spielen dürfte für jeden Sportler, für jede Sportlerin das Karriere-Highlight schlechthin sein. Wie können die Karatekas von Ihrer Expertise profitieren und welche Herausforderungen gilt es in Tokio zu meistern?
Sebastian Altfeld: "Vorausschicken möchte ich zunächst, dass die Zusammenarbeit mit den DKV-Athleten und -Athletinnen auf freiwilliger Basis erfolgt. Wer zu mir kommen möchte, kann das gerne tun. Mein Ansatz basiert im Wesentlichen darauf, dass wir gemeinsam Strategien und Lösungen für das jeweilige Anliegen entwickeln. Dazu gehört auch, sich nicht durch die Bedeutung des Ereignisses 'verführen' zu lassen."

"Die Selbstbestimmheit darf nicht der Fremdbestimmtheit weichen"

Das müssten Sie bitte näher erläutern.
Sebastian Altfeld: "Der Sportler oder die Sportlerin erhält über die eigenen Kommunikations-Kanäle wesentlich mehr Nachrichten aus seinem Umfeld als es sonst der Fall ist. Hinzu kommen die Anfragen der Medien, die ebenfalls über das gewohnte Maß hinausgehen. In Summe führt das zu mehr Ablenkung – weil die Zahl der 'Zeit-Konsumenten' erheblich größer wird."

Welche Strategien eignen sich am besten, um sich von den "Zeit-Konsumenten" nicht "verführen" zu lassen?
Sebastian Altfeld: "Da gibt es nicht die eine Strategie, zudem geht jeder Sportler, jede Sportlerin mit dieser Herausforderung anders um. Vielmehr kommt es darauf an, entsprechendes Handwerkszeug zur Abgrenzung parat zu haben. Die Selbstbestimmheit darf nicht der Fremdbestimmtheit weichen. Die Kontrolle über das eigene Tun hat Priorität. Deswegen haben wir während der Vorbereitung individuelle 'Wenn-dann-Pläne', entwickelt. Das bedeutet, dass wir mit den Sportlern und Sportlerinnen darüber gesprochen haben, welche Stolpersteine in Tokio und auf dem Weg dorthin aufkommen können. Diese Sensibilisierung ist schon wertvoll, da so keine Überraschung aufkommt. Daraufhin haben wir überlegt, wie man sich darauf einstellt. Zum Beispiel, dass man sich eine Zeit ohne Smartphone einrichtet und mit den wichtigen Menschen zu Hause bespricht, dass man in dieser Zeit nicht erreichbar ist - damit sich die Eltern oder Partner Sorgen machen."

Gilt dies auch für die Bespielung der eigenen Social-Media-Kanäle?
Sebastian Altfeld: "Gerade die eigenen digitalen Plattformen verführen dazu, Olympia der Außenwelt nahe zu bringen – wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Allerdings sollte man sich vorher im Klaren darüber sein, wie viel Zeit man für Social Media aufbringen möchte, ohne den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Diesbezüglich ist es hilfreich, sich mittels eines Zeitplans eine Struktur zu geben. Beispielsweise dadurch, dass feste Zeiten für Social-Media-Aktivitäten festgelegt werden."

"Frage nach der Zielsetzung sollte vorher beantwortet sein"

Das Olympische Dorf ist die "Mixed Station" für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Gibt es Vorgaben, wie man sich dort verhalten sollte?
Sebastian Altfeld: "Keine konkreten, denn es hängt von jedem Sportler, von jeder Sportlerin selbst ab, wie die jeweilige Zielsetzung ist. Ordne ich dem Sportlichen alles unter und gehe Aktivitäten, die Olympia so besonders machen, dazu zählt beispielsweise das Treffen von Superstars, inklusive kurzem Talk und Selfie, komplett aus dem Weg, oder finde ich die richtige Balance, ohne die sportliche Zielsetzung aus dem Auge zu verlieren? Diese Frage sollte bereits vorher beantwortet sein, um im Nachhinein nicht feststellen zu müssen, dass man etwas bereut."

Erstmals finden Olympische Spiele ohne Publikum statt. Welche Auswirkungen wird das auf die Athleten und Athletinnen haben?
Sebastian Altfeld: "Für sie ist das nichts Neues. Sie haben sich die vergangenen anderthalb Jahre an diesen Zustand gewöhnt."

Zur person +++ zur person

Dr. Sebastian Altfeld hat seine Praxis in Iserlohn-Letmathe. Als graduierter "M.Sc. Clinical Psychology" umfasst sein Fach-Gebiet die Sportpsychologie und das Mentale Coaching. Zudem verfügt der 35-Jährige über eine Zulassung als Psychologischer Psychotherapeut. Seit 2016 ist Altfeld für den DKV tätig. Basketball und Wintersport am Olympia-Stützpunkt in Winterberg sind weitere Tätigkeitsfelder, in denen seine Expertise gefragt ist. Darüber hinaus betreut er Einzelsportler unter anderem in den Sportarten Badminton, Kanu, Rudern und Tennis.

Weitere Informationen finden sich auf seiner Homepage
www.sebastian-altfeld.de.

"Erwartungshaltung als Ballast und Auslöser von Druck"

Fällt dadurch der Heimvorteil weg?
Sebastian Altfeld: "Nicht unbedingt, denn die Erwartungshaltung, die das Publikum an die eigenen Sportler und Sportlerinnen hat, kann sich als Ballast erweisen und enorm viel Druck auslösen."

Diese Olympischen Spiele unterscheiden sich von den bisherigen fundamental. Hinzu kommt, dass Karate 2024 bereits nicht mehr zum Programm gehört. Welche Auswirkungen haben diese Aspekte auf die deutschen Karatekas?
Sebastian Altfeld: "Damit diese von den strikten Hygiene- und Verhaltensregeln nicht überrascht werden, hatte es DOSB-Video-Konferenzen gegeben. Neben den täglichen Corona-Tests sind die Bewegungsfreiheit und die Wartezeiten zwei weitere wichtige Punkte, die es zu berücksichtigen gilt. Nach alledem, was ich bislang gehört habe, ist die Bewegungsfreiheit im Olympischen Dorf doch größer als erwartet – was positiv ist. Denn das bedeutet, dass weniger 'leere Zeit' zu überbrücken ist."

Angst vor positivem Corona-Test: "Den Gedanken zulassen, ohne in den Sorgenmodus zu verfallen"

Simon Geschke, der deutsche Radprofi, ist kurz vor dem Straßenrennen positiv auf Corona getestet worden. Schwingt diese Angst bei den täglichen PCR-Tests mit, dass man ebenfalls "positiv" sein könnte und der Olympia-Traum bereits ausgeträumt ist, ehe er begonnen hat?
Sebastian Altfeld: "Grundsätzlich wäre es nicht verkehrt, sich mit diesem Gedanken auseinanderzusetzen – um daraus einen Handlungsplan für die Zeit danach zu entwickeln. Fatal wäre es hingegen, wenn ich dadurch mehr und mehr ins Sorgen gerate und mich diese Thematik von meinem ursprünglichen Ziel ablenkt. Aus diesem Grund ist es wertvoll, wahrzunehmen, ob ich in einen Sorgenmodus verfalle und gegebenenfalls meine gelernten Haltungen und Werkzeuge verwende, um mit diesen aufkommenden Sorgen umzugehen. Dies kann damit anfangen, diese Gedanken erstmal zu akzeptieren. Denn ich kann nicht verhindern, dass sie kommen. Doch ich kann mich von ihnen lösen, indem ich mich bespielweise auf meine Atmung fokussiere oder mit anderen Tätigkeiten ablenke."

Das Interview führte Dirk Kaiser

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