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11. Dezember 2024

Die Sportart als Integrations-Treiber auf "verschiedenen Ebenen"

Faouzi Boukiri

Seit Oktober 2024 verfügt Faouzi Boukiri, 60, über die beiden höchsten Kampfrichter-Lizenzen, die der Weltverband zu vergeben hat: "Referee A Kumite" und "Judge A Kata". Nach über 20 Jahren ist der gebürtige Tunesier, der seit 1995 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, endlich an seinem persönlichen Ziel angelangt: "Ich bin sehr stolz und danke denjenigen, die mich auf diesem Weg dorthin begleitet haben", sagt der dreifache Familienvater.

In Venedig, im Rahmen der Nachwuchs-Weltmeisterschaften, habe er sich seinen Traum, der 2003 in Marseille begonnen habe, erfüllt. Die Einsätze in den Finals seien das i-Tüpfelchen gewesen, so Boukiri, der in Flein (Heilbronn) lebt und als Leiter der Sporttherapie-Abteilung mit den Schwerpunkten "Orthopädie", "Rheumatologie", "Neurologie" und "Innere Medizin" für die Kur- und Klinik-Verwaltung Bad Rappenau tätig ist.

Ein "gut" im VHS-Kurs "Deutsch als Fremdsprache"

Der in La Marsa aufgewachsene Boukiri, Träger des 6. DAN, A-Trainer und A-Prüfer für die Stilrichtungen "Koshinkan" und "SOK" innerhalb des DKV, erklärt, dass die Sportart bei der Integration "eine große Rolle auf verschiedenen Ebenen gespielt hat" – sei es am Arbeitsplatz, im sozialen Bereich, in seiner Freizeit oder im Privatleben. Karate habe für eine schnelle Akzeptanz und für Vertrauen gesorgt.

Natürlich habe es zu Beginn seines Aufenthalts in Deutschland Probleme mit der Sprache gegeben. Zwar nicht in seinem direkten und engsten Umfeld, vielmehr bei den Ämtern, im Beruf oder beim Einkaufen. "Um die neue Sprache besser zu verstehen und sprechen zu können, hatte ich mich dazu entschlossen, an der VHS Essen den Kurs 'Deutsch als Fremdsprache' zu belegen." Gesagt- getan. Am Ende hatte der Tunesier den Kurs und mit der Note "gut" abgeschlossen.

War zuletzt bei der Nachwuchs-WM in Venedig im Einsatz: Faouzi Boukiri
War zuletzt bei der Nachwuchs-WM in Venedig im Einsatz: Faouzi Boukiri

Dass Boukiri überaus ambitioniert und ehrgeizig war (und noch immer ist), trat bereits während seines Sport-Studiums zutage: Um an die Spitze zu gelangen, müsse man Opfer bringen und Verzicht üben. Dass der "Spätstarter" in Sachen Karate - er kam erst im Alter von 20 Jahren mit der Sportart in Kontakt - seine Leistungssport-Laufbahn aufgrund einer "schweren Rückenverletzung" bereits sechs Jahre später beenden musste, dürfte den Dritten der Tunesischen Meisterschaften von 1988 sehr geschmerzt haben.

Berufliche Karriere im Dienst des Gesundheits-Sports

Nicht nur aus diesem Grund hat Boukiri sich dazu entschieden, seine berufliche Karriere in den Dienst des Gesundheits-Sports zu stellen. "Ich war mir sehr sicher, dass ein großer Bedarf an der Kombination aus Breiten- und Gesundheits- Sport bestand und immer noch besteht. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche." Seit 1999 bietet er in seiner Karateschule in Bad Rappenau verschiedene Kurse zu diesen Bereichen an.

In seine Heimat hat Boukiri, der zusammen mit seinem Trainer und Förderer Fendri Abdelkader den Koshinkan-Stil in Tunesien und Nord-Afrika mit entwickelt hat, nach wie vor Kontakt. Dort liegen schließlich seine Wurzeln. Doch Deutschland ist für ihn längst zu einer "zweiten Heimat" geworden – und die Sportart Karate, die er als "reich" bezeichnet, hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.

Dirk Kaiser