"Werte-Konzept" als Bindungs- und Differenzierungs-Instrument

Die Sportart Karate ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Fairness und Wertschätzung für den Gegenüber – sei er real (Kumite) oder imaginär (Kata). Insbesondere dem ersten Teil des Wortes „Wertschätzung“ kommt gerade im Kinder-Training eine exponierte Bedeutung zu: Denn der „Wert“, der vermittelt werden soll, ist etwas Besonderes, positiv besetzt und bezieht sich nicht nur auf den Karate-Sport im Speziellen, sondern auf das Leben im Allgemeinen. Die Vermittlung von „Werten“ sollte somit zu den zentralen Aufgaben eines jeden Dojos und seiner Trainer und Trainerinnen gehören. Denn Werte sind verbindlich, dienen als Orientierungshilfen und halten eine Gemeinschaft, dies gilt nicht nur für den Sport, zusammen.

Unter der Leitung von Peter Trapski (9. DAN), seinerzeit im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen DAN-Akademie (DDA) und Chef-Trainer einer der größten Karate-Vereine in Deutschland, und Prof. Dr. René Peisert (6. DAN), der an der FOM Hochschule Essen als Professor im Bereich Marketing tätig ist  und genau wie Trapski dem wissenschaftlichen Beirat der DDA angehörte, hat der Deutsche Karate Verband (DKV) ein „Werte-Konzept“ für Dojos konzipiert, das jedem Verein, jedem Trainer oder jeder Trainerin zugänglich ist und dessen Vorteile in mehrfacher Hinsicht gewinnbringend sind.

Begeisterung bei Kindern wecken, um Zielgruppe zu vergrößern

Ziel des Konzeptes ist es, Kinder, die noch nicht mit der Sportart in Kontakt gekommen sind, für Karate zu begeistern und bestehende Mitglieder im Kinderbereich durch neue Herausforderungen und Motivation weiter an die Sportart zu binden – im Verbund mit den Eltern. Aktuell sind bereits 49 Prozent aller im DKV registrierten Mitglieder Kinder und Jugendliche.

Um das „Werte-Konzept“ umsetzen zu können, bedarf es jedoch einer Zertifizierung seitens des Verbandes. Voraussetzung dafür ist die Teilnahme eines Trainers, einer Trainerin an einer eintägigen Schulung, die von den Konzept-Entwicklern durchgeführt wird. Durch die Teilnahme erwirbt der Teilnehmende das Zertifikat „Werte-Trainer/in im Bereich Sozialverhalten“ und ist somit autorisiert, in seinem Dojo „Das Werte-Konzept – vier Stufen zum Erfolg mit Kinder-Karate“ anzubieten.

Abgrenzung gegenüber anderen Kampfsportarten und medialer Nutzen

Im Rahmen des Karate-Unterrichts können dann sukzessive die folgenden Werte vermittelt werden: Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Mut und Respekt. Jede Vermittlung eines Wertes geht mit Bildern und Leitfragen, Übungsblättern und einem Fragebogen einher. Letzterer wird von dem Kind ausgefüllt – und mit den Eltern danach besprochen. Abschließend erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine Urkunde (zum Beispiel „Sozialverhalten – Respekt“) und einen Aufnäher für ihren Gi. Beides kann über die DKV-Geschäftsstelle im Jugendreferat bestellt werden. Insbesondere der Aufnäher als sichtbare Auszeichnung motiviert dazu, auch die anderen Werte-Aufnäher erlangen zu wollen.

Ein weiterer Aspekt des „Werte-Konzepts“ ist die Abgrenzung gegenüber anderen Kampfsportarten, die sich stärker auf das rein Sportliche konzentrieren. Nicht zuletzt lässt sich das „Werte-Konzept“ auch zu Marketing- und Public-Relations-Zwecken nutzen. Womöglich lässt sich ein Unternehmen finden, dessen Vorstellungen und Ziele mit dem „Werte-Konzept“ übereinstimmen. In jedem Fall bietet es für die internen und externen Kommunikations-Kanäle einen ein- oder mehrmaligen Anlass, über das Konzept zu berichten – in Text-, Bild- oder Video-Form.

Dirk Kaiser

Die sechs WERte

Bescheidenheit
Höflichkeit
Ehrlichkeit
Mut
Hilfsbereitschaft
Respekz
 

NRW-Politikerin Serap Güler: „Brauchen viel mehr solcher Projekte“

Wie eine Wertediskussion in die Familie getragen wird

Serap Güler, 39, war begeistert: „Der Karate-Unterricht beim Polizeisportverein Essen zeigt, wie Kindern wichtige Werte auf spielerische Weise vermittelt werden können, wir brauchen viel mehr solcher Projekte.“ Getätigt hatte Güler, die in der nordrhein-westfälischen Landesregierung den Posten der Integrations-Staatssekretärin bekleidet, diese Aussage gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) – nachdem sie sich beim PSV Essen vor Ort von dem dort praktizierten „Werte-Konzept“ des Deutschen Karate Verbandes (DKV) überzeugt hatte. 

Befürworter und Motor dieses Projektes, das in seinem Verein großen Anklang findet, ist der pensionierte Kriminal-Hauptkommissar Peter Trapski. Der ehemalige Bundestrainer und einer der Wegbereiter des „Werte-Konzeptes“ ist der Auffassung, dass er neben den Eltern und der Schule auch den Sport in der Pflicht sehe, „positiv auf die uns anvertrauten Kinder einzuwirken“. 

Serap Güler im Kreise der kleinen Karateka
Serap Güler im Kreise der kleinen Karateka

Dies geschieht zuvorderst über detaillierte Informationen über das Projekt. Die „Elternbriefe“ und „Eltern-Informationen“ geben den Erziehungsberechtigten einen Einblick darüber, was den Kindern und Jugendlichen neben dem klassischen Karate-Training vermittelt wird – eben jene Werte, die das „Werte-Konzept“ proklamiert: Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Mut und Respekt.

Wegbereiter Peter Trapski: „Tragen Wertediskussion in die Familie“

Dazu wird das Training für ein Frage- und Antwort-Spiel kurz unterbrochen. Am Ende einer jeden „Werte-Besprechung“, die mehrere Wochen dauert, erhalten die Nachwuchs-Karateka einen Fragebogen, den sie zuhause ausfüllen müssen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Austausch mit den Eltern. Auf diese Weise, so Trapski gegenüber der WAZ, werde die Wertediskussion in die Familie getragen.

Die jungen Karate-Eleven haben das „Werte-Konzept“ bereits verinnerlicht. Als Serap Güler in die Runde fragt, was denn Mut bedeute, schnellen zahlreiche Arme hoch und die neunjährige Amy antwortet: „Wenn sich zwei Kinder prügeln und ich dazwischen gehe.“

Der Besuch beim Polizeisportverein Essen, der mit seinen 600 Mitgliedern in der Karate-Abteilung einer der größten innerhalb des DKV ist, hat die NRW-Integrations-Staatssekretärin nachhaltig beeindruckt. „Werte wie Respekt, Bescheidenheit und Mut hoch zuhalten, ist weder altbacken noch konservativ“, so die Politikerin gegen über der Zeitung.

Dirk Kaiser mit Material der WAZ

 
 

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